Trailer

Der Film

Ein Leben im Pulverfass: die 11. Klasse des Pariser Léon Blum Gymnasiums ist im wahrsten Wortsinn vielfältig. Doch tummeln sich hier viele, die wissen, dass sich der Rest der Welt nicht für sie interessiert. Der junge Muslim Malik, die aggressive Mélanie oder der stille Théo nehmen nicht teil am Wohlstand der Mitte und sie haben sich damit abgefunden. Das Klassenzimmer ist ihre politische Bühne, hier begegnen sich mit voller Wucht kulturelle und persönliche Konflikte. Etwas zu lernen, scheint reine Zeitverschwendung. Als die engagierte Lehrerin Anne Gueguen die Klasse übernimmt, begegnen ihr selbstbewusster Unwille und große Provokationslust. Doch die kluge Frau versteht es, mit geschickten Fragen die Muster der Jugendlichen zu durchbrechen. Ohne mit der Wimper zu zucken, meldet sie die Klasse bei einem renommierten, nationalen Schülerwettbewerb an. Mit großer Beharrlichkeit gelingt es ihr, die Schüler in eine gemeinsame Aufgabe zu verwickeln. Obwohl die meisten sich noch nie mit Geschichte befasst haben, entdecken die Jugendlichen, dass die längst vergangenen Schicksale auch ihnen viel zu erzählen haben. Für sie beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die sie schließlich zu einer Gemeinschaft macht. Mit viel Sensibilität zeigt ihnen Madame Anne, dass sie Teil von etwas viel Größerem sind.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt die Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar eine tief bewegende Geschichte über Integration und die Chance, die in der Gemeinschaft liegt. Ein kraftvoller und kämpferischer Film, von fantastischen Schauspielern getragen und voller Hoffnung.

Die Regisseurin

Marie-Castille Mention-Schaar

Marie-Castille Mention-Schaar ist Produzentin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Von 1994 bis 1998 arbeitete sie als Produzentin bei Trinacra. Zuvor war sie in der Drehbuchentwicklung bei Columbia Pictures und als internationale Chefredakteurin des Hollywood Reporter in Los Angeles tätig. 1998 gründete sie zusammen mit Pierre Kubel die Produktionsfirma Loma Nasha Films und 2001 die Produktionsfirma Vendredi Film. Zusammen haben sie insgesamt bereits 12 Spielfilme produziert. 2010 führte Marie-Castille Mention-Schaar zum ersten Mal selbst Regie. Der Film MEINE ERSTE LIEBE, zu dem sie auch das Drehbuch schrieb, wurde von Loma Nasha Films produziert. Ihr zweiter Spielfilm WILLKOMMEN IN DER BRETAGNE (2012), eine Komödie über die französische Protestkultur, wurde von Pathé koproduziert. Bei ihrem Film DIE SCHÜLER DER MADAME ANNE war das Multitalent Marie-Castille Mention-Schaar neben der Regiearbeit wieder federführend an der Produktion und dem Drehbuch beteiligt. Marie-Castille Mention-Schaar ist auch Gründerin des Vereins „Cercle Féminin du Cinéma Français“, der zum Ziel hat, Frauen in Filmberufen wie Produzentinnen, Verleiherinnen, Kinobetreiberinnen, Agentinnen und Journalistinnen zu stärken und zusammenzubringen.

Filmografie
2014 DIE SCHÜLER DER MADAME ANNE
2012 WILLKOMMEN IN DER BRETAGNE
2010 MEINE ERSTE LIEBE

Cast & Crew

Ariane Ascaride

in der Rolle der Madame Anne

Ariane Ascaride wurde am 10. Oktober 1954 in Marseille geboren und ist die Schwester des Schriftstellers Gilles Ascaride und des Regisseurs, Schauspielers und Autors Pierre Ascaride. Sie studierte Soziologie an der Universität in Aix-en-Provence, an der sie auch ihren Ehemann und Filmregisseur Robert Guédiguian kennenlernte. Nach ihrem Soziologie-Studium besuchte Ariane Ascaride bis 1979 das „Conservatoire national supérieur d’art dramatique“ in Paris und studierte Schauspiel bei Antoine Vitez und Marcel Bluwal. In den 70er Jahren debütierte sie in einem Stück ihres Bruders Pierre Ascaride am Theater und nahm erste Filmrollen an. Aufmerksamkeit erhielt sie 1977 für ihre Nebenrolle in einem Film von René Férets, LA COMMUNION SOLENNELLE. Ab den 80er Jahren trat sie in Filmen ihres Ehemanns Guédiguian in Erscheinung und übernahm bis heute in jedem seiner Filme einen Part. Ihren großen Durchbruch erlebte sie Ende der 90er Jahre in Guédiguians Film MARIUS UND JEANNETTE – EINE LIEBE IN MARSEILLE, für den sie mit dem César als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Sie war auch in Filmen anderer Regisseure zu sehen, wie in Éléonore Fauchers DIE PERLENSTICKERINNEN (2004) und in der Verfilmung DIE ELEGANZ DER MADAME MICHEL (2009) von Mona Achache. Für Guédiguians LE VOYAGE EN ARMÉNIE (2006) schrieb sie erstmals auch am Drehbuch mit.

Filmografie (Auswahl):
2014  DIE SCHÜLER DER MADAME ANNE
2011  DIE KUNST ZU LIEBEN
2011  DER SCHNEE AM KILIMANDSCHARO
2009  DIE ELEGANZ DER MADAME MICHEL
2004  DIE PERLENSTICKERINNEN
2002  MARIE-JO UND IHRE ZWEI LIEBHABER
2000  DIE STADT FRISST IHRE KINDER
1997  MARIUS UND JEANNETTE – EINE LIEBE IN MARSEILLE

Ahmed Dramé

Drehbuchautor und in der Rolle von Malik

Ahmed Dramé wurde am 02. April 1992 in Issy-les-Moulineaux geboren und nahm 2009 als Schüler des Léon Blum Gymnasiums am „Nationalen Wettbewerb zum Widerstand und zur Deportation“ teil. Bewegt und inspiriert von dieser Erfahrung schrieb er mit 20 Jahren die Geschichte, auf welcher DIE SCHÜLER DER MADAME ANNE beruht, und verfasste gemeinsam mit Marie-Castille Mention-Schaar das Drehbuch zum Film. Nach der Absolvierung eines Improvisationskurses hatte er seinen ersten Fernsehauftritt 2011 in der TV-Serie MAIN COURANTE von Jean-Marc Thérin. Kurz darauf setzte er seine Laufbahn als Schauspieler fort und übernahm die Rolle des „Nimo“, eine der Hauptfiguren in Lebasque Vianneys Spielfilm LES PETITS PRINCES (2013). Für seine Rolle in DIE SCHÜLER DER MADAME ANNE wurde er 2015 für den César als Bester Nachwuchsdarsteller nominiert. Ahmed Dramé ist auch Autor des Buchs „Nous sommes tous des exceptions“ (2014), in dem er seine Geschichte erzählt, die Grundlage des Films ist.

Filmografie
2014  DIE SCHÜLER DER MADAME ANNE
2013  LES PETITS PRINCES
2011  MAIN COURANTE (TV-Serie)

Cast

Anne Gueguen
Ariane Ascaride
Malik
Ahmed Dramé
Mélanie
Noémie Merlant
Yvette
Geneviéve Mnich
Max
Stéphane Bak
Jamila
Wendy Nieto
Said
Aimen Derriachi
Oliver/Brahim
Mohamed Seddiki
Julie
Naomi Amarger
Camélia
Alicia Dadoun
Théo
Adrien Hurdubae
Koudjiji
Raky Sall
Rudy
Amine Lansari
Léa
Koro Dramé
Der Direktor
Xavier Mal
Mit der Teilnahme von
Léon Zyguel

Crew

Regie
Marie-Castille Mention-Schaar
Buch
Marie-Castille Mention-Schaar, Ahmed Dramé
Regieassistenz
Zazie Carcedo
Kamera
Myriam Vinocour
Szenenbild
Anne-Charlotte Vimont
Maske
Diane Duroc, Valerie Thery-Hamel
Kostüm
Isabelle Mathieu
Casting
Marie-France Michel, Christophe Istier
Ton
Dominique Levert, Elisabeth Paquotte, Christoph Vingtrinier
Montage
Benoit Quinon
Musik
Ludovico Einaudi
Ausführender Produzent
Pascal Ralite
Produktion
Marie-Castille Mention-Schaar, Pierre Kubel
Ko-Produzenten
Loma Nasha Films, Vendredi Film, TF1 Droits Audiovisuels, UGC, France 2 Cinéma, Orange Studio
In Zusammenarbeit mit
France Télévisions, Orange Cinéma Séries (OCS)
Gefördert durch
Région Ile-de-France, Agence Nationale pour la Cohésion Sociale et l‘Egalité des Chances (ACSE), Commission Images de la Diversité, CNC, Fonds Images de la Diversité, Fondation pour la Mémoire de la Shoah, Foundation Diane & Lucien Barrière, Procirep, Angoa-Agicoa

Interviews

Interview mit Marie-Castille Mention-Schaar

Regisseurin

Wie haben Sie Ahmed Dramé kennengelernt, der am Drehbuch mitgewirkt hat, der aber auch im Film mitspielt und sogar der Grund seiner Entstehung ist?

Ich mag die Geschichte unseres Kennenlernens sehr, da es zum einen durch Zufall und zum anderen durch Ahmeds Beharrlichkeit zustande gekommen ist. Ahmed, ein Zwölftklässler des Léon Blum Gymnasiums, hat meinen ersten Film MEINE ERSTE LIEBE 2012 im Kino gesehen. Daraufhin hat er mir eine E-Mail geschrieben und einfach gefragt, ob ich einen 60-seitigen Drehbuchentwurf, den er geschrieben hat, lesen würde. In diesem Drehbuch ging es um den Wunsch eines neuen Lehrers, seine Schüler mit der Teilnahme an einem Geschichtswettbewerb zu motivieren. Gleich bei unserem ersten Treffen wollte ich wissen, woher die Idee des Wettbewerbs kam. Und so fand ich heraus, dass sowohl Ahmeds Leben als auch das seiner Mitschüler sich total verändert hatte, nachdem sie den „Nationalen Wettbewerb zum Widerstand und zur Deportation“ gewonnen hatten. Ich kannte diesen Wettbewerb nicht, aber ich habe gespürt, wie sehr diese gemeinsame Erfahrung ihn verändert hat. Ich wollte sofort einen Film darüber machen.

Haben Sie ihm das gesagt?

Na klar. Ich habe ihm gesagt, dass alles, was er erzählt, zugleich erschütternd und sehr beeindruckend sei. Der Werdegang dieses jungen Mannes hat mich sehr berührt. Er schien die allgemein vorherrschende Miesmacherei und die für sein Alter typische Null-Bock-Mentalität nicht mehr hinnehmen zu wollen. Und beim nächsten Treffen haben wir seine Lehrerin Madame Anglès angerufen. Sie war sehr überrascht darüber, dass dieses eine Schuljahr für einen ihrer Schüler so wichtig war. Wir haben sogleich mit dem Schreiben des Drehbuchs begonnen.

Wie schafft es Madame Anne genau wie die Lehrerin Anne Anglès, die Schüler in ihren Bann zu ziehen und sich Gehör zu verschaffen?

Um es besser verstehen zu können, habe ich den Unterricht von Anne Anglès im Léon Blum Gymnasium besucht. Ich war sehr von ihrer wohlwollenden Autorität beeindruckt, die gegenseitigen Respekt hervorruft. Sie schaffte es jedes Mal, die Schüler dorthin zu bringen, wo sie sich selbst nicht gesehen hätten. Ich habe verschiedene Kurse besucht, an verschiedenen Gymnasien, um besser zu verstehen, was eine 11. Klasse heutzutage ausmacht. Meistens versucht der Lehrer, ein leichtes Stimmengewirr zu übertönen und mit den Schülern zu sprechen, im Rhythmus des Vibrierens ihrer Handys. Die Stimme des Lehrers ist nur ein Element von vielen, komplett abgetrennt, und sein Diskurs hat keinerlei Verbindung zu den Schülern.

Das mag sein, aber der Film zeigt doch das Gegenteil: Jugendliche, die plötzlich entdecken, dass eine Geschichte, die sie für Archäologie oder eine ideologische Provokation gehalten haben, sie selbst betrifft.

Ja, es ist ein optimistischer Film, und er wird noch optimistischer, weil die Geschichte wahr ist und weil er beweist, dass es möglich ist, selbst die störrischsten Schüler zu begeistern, wenn man sie ins Zentrum des pädagogischen Prozesses stellt. Die Schüler fangen an, sich für den Wettbewerb zu interessieren, als sie aktiv daran teilnehmen. Der Schlüsselmoment ist die Begegnung mit einem Zeitzeugen: Léon Zyguel, der als Jugendlicher deportiert wurde. Dieses Treffen, bei dem man der verkörperten Geschichte gegenübersteht, ist für alle Schüler, die diesen Wettbewerb vorbereiten, entscheidend. So ging es auch den Schülern des Films. Mir war die Präsenz von Léon Zyguel sehr wichtig, der ja nach Créteil kam in dem Jahr, in dem Ahmed den Wettbewerb vorbereitete. Doch er ist ein vielbeschäftigter Mann, und ich musste ihm lange hinterherlaufen, bis er einwilligte. Er war der Fiktion gegenüber misstrauisch. Ich habe meinen Schauspielern nur eine Anweisung gegeben: sie sollten vergessen, dass wir einen Film drehen. Sie sollten Léon zuhören und die Reise in seine Vergangenheit antreten.

Madame Anne wird von der wunderbaren Ariane Ascaride gespielt. Wie haben Sie sie ausgewählt?

Bei unserem ersten Treffen ist mir ihr Engagement für die Verteidigung von bestimmten Werten aufgefallen. Ihre Art vom Drehbuch zu sprechen, unterschied sich grundlegend von der einfachen Lektüre einer Schauspielerin. Zu mir sprach eine engagierte Bürgerin, die Tochter von Widerstandskämpfern und es war sehr bewegend. Ariane hat die gleiche Energie, die gleiche Vitalität wie Anne Anglès.

Interview mit Ariane Ascaride

Darstellerin der Madame Anne

Was hat Ihnen die Rolle der Lehrerin über sich selbst beigebracht?

Es war eine gute Lehrstunde in Bescheidenheit. Ich stand zum ersten Mal vor einer Klasse: 23 Kinder, die nicht wussten, wer ich war, und die mich mehr als Lehrerin denn als Schauspielerin ansahen. Ich kam mir ganz klein vor. Sie kamen von überall her, aber ein paar waren tatsächlich Schüler des Léon Blum Gymnasiums in Créteil. Ich wusste zwar, dass der Beruf des Lehrers viel Mut verlangt, aber es am eigenen Leib zu erfahren, ist etwas ganz anderes. Es ist aber auch einer der unglaublichsten Berufe, die es gibt. Die Verbindung, die mit den Schülern entstehen kann, ist das Schönste, was man erleben kann. Wenn man als Schauspielerin eine Lehrerin vor ihren Schülern spielt, baut man diese Vertrauensbeziehung ebenso auf. Wir haben angefangen miteinander zu sprechen, miteinander zu spielen. Das ist auch das, was mir am besten gefällt, wenn ich den Film heute anschaue: die Echtheit der Jugendlichen.

Wie verlief der Dreh?

Der Zusammenhalt kam durch das Drehbuch. Die Wirklichkeit der Geschichte entlud sich, und wir haben sehr schnell vergessen, dass es sich um eine Fiktion handelte. Was die Gruppe wirklich zusammengebracht hat, ist Léon Zyguel. Als der Zeitzeuge da war, fand eine Wandlung statt. Jugendliche, die bislang nur kamen, um einen Film zu drehen, sich zu amüsieren oder ein bisschen Geld zu verdienen, haben sich plötzlich als Verantwortungsträger gesehen. Als ich die Szene auf der Leinwand gesehen habe, hat mich das sehr bewegt. Niemand hat gespielt.

Warum schafft es Anne Gueguen diese Klasse zu gewinnen, obwohl die Vertretungslehrerin kläglich scheitert?

Vor einer Klasse zu stehen ist wie einer Welle gegenüber zu stehen, deren Bewegungen man nicht komplett unter Kontrolle hat. Die Vertretungslehrerin lässt sich überrollen. Sie zeigt ihnen ihre Angst. Die Schüler sind sehr intuitiv und greifen ihre Angst auf. Wenn man unterrichtet, braucht man unglaublich viel Schlagfertigkeit, um den Schülern gegenüber das richtige Verhalten an den Tag legen zu können. Das Geheimnis meiner Figur ist, dass sie den Schülern konstant zeigt, dass sie sie respektiert. Sie sagt ihnen ja auch, dass sie mehr Vertrauen in sie hat, als die Schüler in sich selbst.

Sie bewundern sie nicht nur, Sie scheinen auch eine große Zuneigung zu Lehrern zu haben. Woher kommt das?

Ich kenne niemanden, der sich nicht gerne an gewisse Lehrer erinnert. Selbst heute und trotz all der Abwertung dieses Berufes sind sie es doch, die die Macht haben, das Leben von jungen Menschen zu verändern, zum Guten sowie zum Schlechten. Auf sie können sich die Kinder ihr Leben lang berufen. Ich habe Anne Anglès, die Lehrerin, die ich spiele, kennengelernt. Ich habe verstanden, woher ihre Aura kommt. Sie hat eine beeindruckende Charakterfestigkeit. Sie zeigt den Schülern, dass sie nicht da ist, um sie zu bestrafen. Anne Anglès schafft es, ihnen wieder Vertrauen in sich selbst zu geben und sich als volle Persönlichkeiten wahrzunehmen, und nicht nur als Spielzeug von Gruppenkonformismus. Was diese Lehrerin und der Film zeigen, ist, dass man Menschen immer nach oben ziehen kann. Wenn man denn Lust dazu hat. Ich denke, dass es viel weniger unmotivierte Lehrer gibt, als man so sagt. Die Schulzeit ist die Zeit, in der wir außerhalb der Familie atmen können.

Wie hat Marie-Castille Mention-Schaar Sie vor den Kindern angeleitet?

Sie flüsterte mir oft ins Ohr. Was ihr wichtig war, war die Authentizität meiner Arbeit. Sie ist hartnäckig. Sie gibt nie auf. Der Film war ganz besonders wichtig für sie. Ich bin sehr stolz, bei diesem Film mitgespielt zu haben. Und auch sehr stolz, ihn mit ihr und den Schülern gemeinsam gemacht zu haben. Der Dreh war sehr schnell zu mehr als nur der Arbeit an einem Film geworden. Es wurde zum Abenteuer. Seitdem fehlen mir die Schüler.

Interview mit Ahmed Dramé

Drehbuchautor und Darsteller von Malik

Sie haben an dem Film mitgeschrieben und Sie spielen einen der Schüler. Können Sie uns etwas mehr über diese Erfahrung erzählen?

Ich war 2009 Schüler der 11. Klasse, ich habe diese Geschichte selbst erlebt. Die Teilnahme an dem „Nationalen Wettbewerb zum Widerstand und zur Deportation“ hat mein Leben verändert, genauso wie das der anderen Schüler. Trotz meiner recht guten Noten hatten die Lehrer in der 10. Klasse entschieden, dass ich das Abitur sowieso nicht schaffen würde, so wie das oft der Fall ist, wenn man nicht aus einem privilegierten sozialen Umfeld kommt. Die Begegnung mit unserer Geschichtslehrerin Madame Anglès, die gleichzeitig auch unsere Klassenlehrerin war, war grundlegend. Sie war sehr bestimmt, und es hat Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Als ihre Mutter starb, nahm sie einen Monat Urlaub. In dieser Zeit haben wir uns aufgewiegelt. Wir wurden ständig bestraft. Wir waren die schlimmste 11. Klasse, die „schwarzen Schafe“ des Gymnasiums. Als Madame Anglès zurückkam, hat sie uns den Wettbewerb vorgeschlagen, anstelle uns weiter abstürzen zu lassen, obwohl der Schuldirektor dagegen war.

Was hat diese Teilnahme ausgelöst?

Es war das erste Mal, dass wir wirklich als Gruppe zusammengearbeitet haben. Es gab Momente der Mutlosigkeit. Unsere Lehrerin sagte sogar einmal, dass sie sich wohl in uns geirrt hätte. Wir haben uns gegenseitig des Ideenraubs beschuldigt, wir verstanden nicht, dass wir alle auf das gleiche Ziel hinarbeiteten. Der Auslöser war die Begegnung mit Léon Zyguel, als er uns von seinem Leben in den Lagern erzählte und von seiner Festnahme, da war er so alt wie wir. Es gab wirklich ein Vorher und ein Nachher. Wenn man seine Worte hört, dann gibt es keine Entschuldigungen mehr dafür, nicht zu arbeiten und sich zu beklagen.

Hat der Wettbewerb die Zukunft der Klasse tiefgründig verändert?

Die meisten von uns waren schlechte und unerträgliche Schüler. Wir wurden zu motivierten Schülern. Als wir in die 12. Klasse kamen, hatten wir Vertrauen in uns. Wir hatten gelernt zu arbeiten. Und es zu mögen.

Sie sind das lebende Beispiel, denn ein paar Jahre später begannen Sie ein Drehbuch zu schreiben. Woher kam die Lust zu schreiben?

Nach dem Erfolg des Wettbewerbs habe ich mich zu vielem fähig gefühlt. Ich fing an, an verschiedenen Castings teilzunehmen, Absagen zu erhalten, bis ich eine Rolle in LES PETITS PRINCES bekam, mit Eddy Mitchell. Da sagte ich zu mir selbst: Ahmed, warum schreibst du nicht deinen eigenen Film? Zuerst habe ich das Drehbuch nur für mich geschrieben, als eine Art Herausforderung. Je weiter ich kam, um so mehr dachte ich mir, dass es gut sein könnte, eine professionelle Meinung zu hören. Ich bekam höfliche Absagen. Gerade hatte ich MEINE ERSTE LIEBE von Marie-Castille Mention-Schaar gesehen und habe alles getan, um an ihre E-Mail-Adresse zu kommen. Beim ersten Treffen hat sie mich zwei Stunden über mich sprechen lassen. Sie stellte Fragen über die Geschichte, die ich ihr geschickt hatte. Am Ende fragte sie mich: „Sag mir, was ich für dich machen soll. Soll ich deinen Film produzieren? Willst du, dass ich dir helfe, ihn umzuschreiben? Willst du, dass ich die Regie mache?“ Es hat mich vom Hocker gehauen, dass mein Traum Wirklichkeit werden sollte. Keiner im Gymnasium wusste etwas von meinem Projekt. Das Drehbuch und die Vorbereitung des Drehs waren für mich eine schöne Revanche an den Lehrern und dem Direktor, die Vorurteile gegenüber unserer Klasse hegten. Ich bin sehr stolz, meine Mitschüler und Madame Anglès mit diesem Film würdigen zu können.

Wie war Ihre Beziehung zu Marie-Castille Mention-Schaar und Ariane Ascaride?

Marie-Castille ist heute für mich wie meine zweite Mutter. Was Ariane Ascaride angeht, habe ich geweint, als sie ging. Während des gesamten Drehs hatten wir vergessen, dass es sich um eine Schauspielerin handelt, wir sahen nur die Lehrerin in ihr. An manchen Tagen waren die Schüler unerträglich, und Ariane hat sie genau wie eine Lehrerin zur Ruhe angemahnt. Keiner traute sich, sich mit ihr anzulegen.

Galerie

Datenschutzinformationen

Google Analytics

Diese Website benutzt Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“). Google Analytics verwendet sog. „Cookies“, Textdateien, die auf Ihrem Computer gespeichert werden und die eine Analyse der Benutzung der Website durch Sie ermöglichen. Die durch das Cookie erzeugten Informationen über Ihre Benutzung dieser Website werden in der Regel an einen Server von Google in den USA übertragen und dort gespeichert. Im Falle der Aktivierung der IP-Anonymisierung auf dieser Website, wird Ihre IP-Adresse von Google jedoch innerhalb von Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder in anderen Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum zuvor gekürzt. Nur in Ausnahmefällen wird die volle IP-Adresse an einen Server von Google in den USA übertragen und dort gekürzt. Im Auftrag des Betreibers dieser Website wird Google diese Informationen benutzen, um Ihre Nutzung der Website auszuwerten, um Reports über die Websiteaktivitäten zusammenzustellen und um weitere mit der Websitenutzung und der Internetnutzung verbundene Dienstleistungen gegenüber dem Websitebetreiber zu erbringen. Die im Rahmen von Google Analytics von Ihrem Browser übermittelte IP-Adresse wird nicht mit anderen Daten von Google zusammengeführt. Sie können die Speicherung der Cookies durch eine entsprechende Einstellung Ihrer Browser-Software verhindern; wir weisen Sie jedoch darauf hin, dass Sie in diesem Fall gegebenenfalls nicht sämtliche Funktionen dieser Website vollumfänglich werden nutzen können. Sie können darüber hinaus die Erfassung der durch das Cookie erzeugten und auf Ihre Nutzung der Website bezogenen Daten (inkl. Ihrer IP-Adresse) an Google sowie die Verarbeitung dieser Daten durch Google verhindern, indem Sie das unter dem folgenden Link verfügbare Browser-Plugin herunterladen und installieren: tools.google.com/dlpage/gaoptout

Sie können die Erfassung durch Google Analytics verhindern, indem Sie auf folgenden Link klicken. Es wird ein Opt-Out-Cookie gesetzt, das die zukünftige Erfassung Ihrer Daten beim Besuch dieser Website verhindert: Google Analytics deaktivieren

Nähere Informationen zu Nutzungsbedingungen und Datenschutz finden Sie unter google.com/analytics/terms/de.html bzw. unter google.de/intl/de/policies/. Wir weisen Sie darauf hin, dass auf dieser Website Google Analytics um den Code „anonymizeIp“ erweitert wurde, um eine anonymisierte Erfassung von IP-Adressen (sog. IP-Masking) zu gewährleisten.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de

Schliessen